In aller Kürze:

geb. am

26.02.1931

1941-1951

Schulzeit

1951-1954

Finanzbeamter

Seit 1954

Studium der Ökonomie und Soziologie in Kiel und Köln;

 

anschließend wiss. Mitarbeiter an der Universität Köln (bei René König), Redakteur der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie.

1965-1966

Gastaufenthalt an der Ohio State University und University of California, Berkeley;

Seit 1960

verheiratet, 1964, 1967, 1969 kamen unsere drei Kinder auf die Welt.

1970-1974

Professor für Allgemeine Soziologie an der Universität Regensburg.

1974-1984

Professor für Deviantes Verhalten und Soziale Kontrolle an der Rechtsfakultät der Universität Hannover.

Seit 1984

Professor für Kriminologie an der Universität Hamburg.

Seit 1996

Leitung des Instituts für Sicherheits- und Präventionsforschung (ISIP).

Rückblickend

prägten zwei Ereignisse meinen Zugang zur Kriminalsoziologie. Thematisch brachte mich ein Hauptseminar, das ich während meiner Assistentenzeit bei René König Anfang der 1960er Jahre organisierte, auf die Fährte der Kriminalsoziologie. Während König noch die Bedeutung der Kriminalsoziologie für die Betrachtung des Gesellschaftlichen teilte, so trennten sich unsere Weg alsbald in der theoretischen Orientierung. Die inhaltliche Ausrichtung, die mich schon sehr bald wegführte von der traditionellen ätiologischen Kriminologie und bis zu einem gewissen Grade auch von René König, lernte ich während meines USA-Aufenthalts an der Universität von Berkeley kennen. Der 1968 mit König zusammen herausgebrachte Sammelband „Kriminalsoziologie“ zeugt eben von dieser Konversion, die ich damals erlebte. Während die Textauswahl noch vor meinem Amerikajahr geschah, verarbeite ich meine neu gewonnenen Erkenntnisse des Symbolischen Interaktionismus und des Interpretativen Paradigmas in dem Nachwort „Neue Perspektiven in der Kriminologie“.

 

Die ersten Gehversuche in der Labeling-Theorie an empirischem Material brachte ich in meine unveröffentlicht gebliebene Habilitationsschrift „Strukturen und Prozesse in einem Delinquenzviertel Kölns“ ein. Dieser Probelauf blieb nicht ganz ohne Folgen. Ein junger ambitionierter Gutachterkollege von König monierte die entsprechenden Stellen und empfahl mir dringend, die Labeling-Idee aufzugeben – „eines im Ansatz nicht völlig falschen Gedankens“, wie er damals bemerkte. Doch König wies ihn aus Loyalität und wohl auch gekränkter Eitelkeit in paternalistischer Manier an, die entsprechenden Stellen im Gutachten zu streichen. Diese Episode gab mir schon einen Vorgeschmack auf die später häufig erfolgte abqualifizierende Einordnung meiner kriminologischen Position als „radikaler Ansatz“.

 

Während ich meine venia legendi im Jahre 1970 von der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln für Allgemeine Soziologie verliehen bekommen habe und auch mein Lehrstuhl in Regensburg unter dieser Bezeichnung firmierte, waren meine wissenschaftlichen Weichen längst auf Kriminalsoziologie gestellt. Denominatorisch untermauert wurde diese Schwerpunktsetzung jedoch erst 1974 mit dem Lehrstuhl für Deviantes Verhalten und Soziale Kontrolle an der Rechtsfakultät der Universität Hannover.

 

Die deutsche Kriminologie kommt recht einflusslos daher. Unter dem hegemonialen Zugriff der Rechtswissenschaft hat es die Kriminologie in Deutschland, anders als in den meisten anderen westlichen Ländern, nie zu einer akademischen Vollausbildung gebracht. Als ich 1984 den Lehrstuhl für Kriminologie an der Universität Hamburg übernahm, gründete ich das Aufbaustudium Kriminologie als zweijähriges Postgraduierten-Studium, das inzwischen zum Masterabschluss Internationale Kriminologie qualifiziert. Und obwohl sich die Inhalte wesentlich an kritischen kriminalsoziologischen Fragestellungen orientieren, kann ein solcher Studiengang nicht viel an dem recht unbedeutenden Rang der Kriminalsoziologie innerhalb der Bindestrichsoziologien ausrichten. Die Kriminologie besteht aus einem Stückwerk interdisziplinärer Anleihen, womit sich auch die Kriminalsoziologie untergeordnet hat.

 

Bis heute ist die Kriminologie eine Hilfswissenschaft geblieben, die im Hoheitsgebiet der Juristen ein kümmerliches Dasein führt. 1969 gründete ein Kreis engagierter Kriminologen, darunter Lieselotte Pongratz, Stephan Quensel und ich, den „Arbeitskreis junger Kriminologen“ (AJK). Dieser formlose Zusammenschluss sollte der sozialwissenschaftlich orientierten und später kritischen Kriminologie ein Forum bieten und zugleich ein Gegengewicht zur rechtswissenschaftlichen Vereinnahmung der Kriminologie schaffen. Im Namen des AJK wird das Kriminologische Journal herausgegeben. Bis in die 1990er Jahre fanden jährlich ein bis zwei AJK-Tagungen statt, die als Beihefte des Kriminologischen Journals erschienen sind. Im Jahre 2003 hat der AJK diese Tradition wieder aufgenommen mit dem vom ISIP organisierten Symposium zur Neuen Straflust.

 

Aus dem Beirat des Kriminologischen Journals entstand 1989 die Gesellschaft interdisziplinärer wissenschaftlicher Kriminologie (GiwK). Auch diese Gründung diente dazu, die Kriminologie aus ihrem Schattendasein einer rechtswissenschaftlichen Subdisziplin herauszuhelfen und damit auch in Deutschland eine kriminologische scientific community zu bilden. Über den engeren Kreis des AJK hinaus bietet die GiwK ihren Mitgliedern eine Plattform für den grundlagenorientierten interdisziplinären und internationalen Austausch. Ihre Aktivitäten zielen auf die Sicherung und Pflege der kriminologischen akademischen Lehr- und Forschungstätigkeit.

 

Hauptsächlich widme ich mich aktuell dem Institut für Sicherheits- und Präventionsforschung (ISIP). Seit seiner Gründung vor nunmehr zehn Jahren hat sich diese gemeinnützige Einrichtung zu einer sehr aktiven Forschungsstätte entwickelt. Das ISIP finanziert sich ausschließlich aus Drittmitteln, deren Einwerbung großes Engagement von allen Mitarbeitern abfordert. So können wir inzwischen auf eine stattliche Anzahl von Projekten der Grundlagen- und Anwendungsforschung zurückblicken. Ebenso arm wie frei von engeren institutionellen Einbindungen gelingt es uns, kritische Kriminologie zu betreiben und die gegenwärtige Kriminalpolitik zu kommentieren. Das ist heute notwendiger denn je.

 

Wir stehen heute weit hinter den Denkern, wie v.a. dem Gründervater der Soziologie, Émile Durkheim, der die gesamtgesellschaftlichen Relevanzen einer Untersuchung der Kriminalität noch überzeugend darzulegen vermochte. Soziales nur mit Sozialem zu erklären, so lautet sein methodisches Diktum, das sich nahtlos anschließt an den Standpunkt des Anthropologen A. Lacassagne: „Jede Gesellschaft hat die Kriminalität, die sie verdient.“ Kriminalität und Gesellschaft aufeinander zu beziehen, das ist nach wie vor die Aufgabe der Kriminalsoziologie. Doch das waren ganz andere Zeiten, in denen man noch an die Regulierbarkeit von Gesellschaft geglaubt hat.

Neue Ergebnisse der Fritz-Sack-Biographie-Forschung:

Notiert von Helge Peters

 

Ein alter Volksschullehrer aus Bordesholm: „Fritz Sack? Ja, ich erinnere mich. Er war ein großer Tierfreund. Das Miteinander von Hunden interessierte ihn. Gingen diese Tiere aufeinander los, fragte er: ´Ist´s Spiel? Ist´s Kampf?´ Die vierschrötige Dorfjugend aber sah stets „Kampf“. Und sie hatte das Sagen. So wurden die Bordesholmer Hunde Kampfhunde. Fritz hat diese Entwicklung nicht aufhalten können.“

 

Ein ehemaliger Mitschüler der Kieler Gelehrtenschule: „Fritz Sack? Ja, es dämmert mir. Das war der, der die Unabhängigkeit der Geltung des Lehrerurteils behauptete. Das Lob, das der Lehrer dem Schüler ausspreche, mache diesen Schüler in den Augen seiner Kameraden unabhängig von seinen Fähigkeiten zu einem guten Schüler.“

 

Ein betagter Finanzoberamtmann aus Oldenburg i.H.: „Fritz Sack? Mit dem habe ich mich immer gestritten. Hatten wir die Steuerhinterziehung eines Bauern auf Fehmarn entdeckt, sagte er stets: ´Wären wir nicht gekommen, hätte es auch keine Steuerhinterziehung gegeben.´“

 

Auswahl der Beiratstätigkeiten:

Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie (1987-1999)

Gesellschaft interdisziplinärer wissenschaftlicher Kriminologie (GiwK)

Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform

Institut für Bürgerrechte und öffentliche Sicherheit

Kriminologisches Journal

 

Gutachtertätigkeiten:

Seit 1980 Gutachter der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)

Gutachter der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie (1998-2000)

 

Ausgewählte Mitgliedschaften:

Humanistische Union (HU)

Groupe Européen de Recherche sur les Normativités (GERN)

 

CV in english:

26.2.1931

Born

1941-1951

School

1951-1954

Civil servant in a state tax office

1954-1970

Study of economics and sociology at:

1954-1955

University of Kiel;

1955-1965

University of Cologne;

1965-1966

Ohio State University and University of Berkeley (CA);

1966-1970

University of Cologne.

Since 1960

Married; three children (1964, 1967, 1969).

1970-1974

Professor of sociology at the University of Regensburg.

1974-1984

Professor of deviant behaviour and social control in the law faculty of the University of Hannover.

Since 1984

Professor of criminology at the University of Hambourg.

Since 1996

Management of the Institut für Sicherheits- und Präventionsforschung (ISIP)